Wie alles begann –
Unsere Geschichte bis 1990

Die heutige Genossenschaft entwickelte sich im Laufe der Zeit nach den politischen Gegebenheiten.

In den 1960er Jahren gab es in Harsleben mindestens zwei Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG):

• LPG Typ I „Ostharz“: gemeinsame Bewirtschaftung der Äcker, Tierhaltung in Privatwirtschaft

• LPG Typ III „Theodor Körner“: Mischbetrieb, Pflanzenvermehrung

In dieser Zeit entstand in Harsleben auch der Stallkomplex an der Wegelebener Straße mit angegliederter Lehrausbildung für Melker. Dazu wurde ein Lehrlingswohnheim errichtet, der spätere Hauptsitz der Verwaltung und heute die Tischlerei Kratzius und Keller.

Im Jahr 1971 erfolgte der Beitritt der LPG Typ I in die LPG Typ III. Hier war einer der wenigen Mähdruschkomplexe der DDR ansässig, der zudem nur aus „Erntekapitäninnen“ bestand. Für den selbstfahrenden Rübenroder KC 6 erwarben dabei zwei Kolleginnen, als erste Frauen überhaupt auf dem Gebiet, die Bedienberechtigung.

1973 wurde die KAP Harsleben gegründet, ein reiner Pflanzenbaubetrieb. Ortsübergreifend mit Produktionsbereichen in Harsleben, Wegeleben, Adersleben, Deesdorf und Rodersdorf. Vorsitzender zu dieser Zeit war Herr Wolfgang Gebauer.

Die Tierproduktion wurde zu der LPG „30. Jahrestag der Befreiung“ Wegeleben zusammengeführt.

Am 01. Januar 1976 schloss sich dann die KAP Harsleben mit der KAP Groß Quenstedt zu dem Nachfolgebetrieb LPG Pflanzenproduktion „IX. Parteitag der SED“ Harsleben zusammen. Den Vorsitz übernahm auch hier Wolfgang Gebauer. Die Übernahme der KAP Groß Quenstedt und Emersleben mit dem dortigen volkseigenem Gut war eine beachtliche Stärkung der neu gebildeten LPG Pflanzenproduktion.

Die Genossenschaft umfasste nunmehr eine landwirtschaftliche Nutzfläche von über 10.000 Hektaren und zählte 543 Mitglieder und Arbeitnehmer.

Zu den Hauptabteilungen gehörten der Standort Harsleben, der Standort Adersleben, Wegeleben, Deesdorf & Rodersdorf, der Standort Groß Quenstedt, Emersleben & Halberstadt (Ortsteil Wehrstedt) sowie der Pflegestützpunkt Wegeleben.

Der Produktionsschwerpunkt lag auf dem Anbau von Marktfrüchten. Das Anbauspektrum war aber weitaus vielfältiger, so wurden Gurken, Zwiebelsaat und Saatzwiebeln vermehrt. Hinzu kam noch die Futterlieferung für die Tierproduktionspartner.

Auch in anderen Bereichen war die LPG präsent, so bspw. mit Obstanbau in Adersleben sowie Hopfenanbau in Emersleben. Neben fünf Gärtnereien und Schafhaltung in allen Bereichen, Gänsehaltung auf dem Gelände der Pumpstation in Wegeleben, Fasanen- und Karpfenaufzucht in Harsleben kamen eine Zentralküche für alle Bereiche, eine Schneiderstube, eine Holzwerkstatt, ein Sägegatter in Harsleben und eine Kunststeinwerkstatt in Wegeleben dazu.

Zum Geschäftsbetrieb gehörten auch Wohnungen, Eigenheime und das Ferienobjekt in Rangsdorf bei Berlin, welche betreut werden mussten.

Im Rahmen der Lehrlingsausbildung wurden die Berufe Mechanisator, Schlosser, Schäfer, Feldbauhelfer und Wirtschaftskaufmann/-frau vermittelt.

Unsere Genossenschaftsbäuerinnen und -bauern trugen in vielfältiger Weise zum Ansehen der LPG bei. Denn der große Reichtum der Genossenschaft sind die Mitglieder mit ihrem Wissen und Können, ihrem Fleiß, den sie zunehmend mit der Wissenschaft zu verbinden wissen. So gelang es in einem angemessenen Wohlstand arbeiten und leben zu können.

In den 1980er Jahren wurde der „Hof Hallensleben“ mit dem Grundstück Mittentor 8 in Harsleben erworben. Ende der 1980er Jahre wurde eine Mosterei aufgebaut und das Trockenwerk in Wegeleben ist entstanden. Künftig gab es eine Gemüseverkaufsstelle in Halberstadt.

Die Hauptverwaltung befand sich nun in der Wegelebener Straße in Harsleben, wo heute die Tischlerei Kratzius und Keller sitzt. Der LPG wurden immer mehr kommunale und kulturelle Aufgaben innerhalb der zugehörigen Gemeinden übertragen.

Der Jahresabschluss 1989 zeigt, dass insgesamt 660 Mitarbeiter beschäftigt waren. Denn die Genossenschaft bestand, im Gegensatz zu heute, aus mehr als zwei Produktionsstandorten.

Am 09. November 1989 begann eine neue Zeit revolutionärer Veränderungen in Ost und West des Landes. Die Grenzen wurden geöffnet.

Im Jahr 1990 waren fast noch 600 Menschen in der LPG beschäftigt. Diese Zahl sank in den folgenden Jahren auf nur noch 80 Mitgliedern.

Wie es mit unserer Genossenschaft weitergeht, erfahren Sie hier…